Hans-Hennig von Grünberg

insights@JSEC "Reputationskulisse oder Innovationsmotor: Wohin entwickelt sich das deutsche Wissenschaftssystem?"

mit Hans-Hennig von Grünberg (Universität Potsdam)
Hans-Hennig von Grünberg
Foto: Hans-Hennig von Grünberg
Zur Übersicht

Veranstaltungseckdaten

Diese Veranstaltung im ICS-Format exportieren
Beginn
Ende
Veranstaltungsarten
Vortrag
Ort
Carl-Zeiss-Strasse 3, Fakultätssitzungssaal (2.43)
07743 Jena
Google Maps – LageplanExterner Link
Veranstaltungssprache
Deutsch
Barrierearmer Zugang
ja
Öffentlich
ja
Zur Original-Veranstaltung

Reputationskulisse oder Innovationsmotor: Wohin entwickelt sich das deutsche Wissenschaftssystem?

Deutschland investiert jährlich rund 129,7 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung, doch dieser Mitteleinsatzes hat in Hinblick auf wirtschaftliche Ausgründungen nur geringe Wirkung. Der aktuelle Redstone University Index 2025 verdeutlicht dies: Während deutsche Universitäten 20 % des gesamten europäischen Budgets beanspruchen, bringen sie lediglich 8 % aller europäischen Startups hervor. Mit nur 4,7 Startups pro 100 Millionen Euro Budget liegt Deutschland weit hinter Ländern wie Frankreich (16,2) oder England (10,0) zurück. Der Vortrag analysiert die Ursachen dieser „Transferblockade“ und nutzt hierfür u.a. eine neuartige methodische Herangehensweise: Mithilfe von Large Language Models (LLMs) wurden 482 Förderanträge zum DATIpiloten „Innovationscommunities“ strukturiert ausgewertet. Diese KI-gestützte Untersuchung liefert ein Lagebild der deutschen Innovationslandschaft: Obwohl das Programm explizit auf Transfer zielte, verharren 77 % aller Projektaktivitäten in frühen Konzeptphasen, während nur 17 % der Aktivitäten die kritische Pilotierung und Validierung adressieren. Diese Befunde geben der aktuellen Debatte um den Bedeutungsverlust der Präsenzuniversität, wie sie unter anderem von Uwe Schneidewind skizziert wird, eine brisante empirische Basis. Wenn Wissen zunehmend unmittelbar an die Orte der Verwertung wandert und Hochschulen Gefahr laufen, zur bloßen „Reputationskulisse“ zu erodieren, stellt sich die Existenzfrage für die physische Institution neu. Abschließend wird diskutiert, wie die Universität der Zukunft diese Blockade durchbrechen kann. Die These lautet: Nur durch ihre Neuausrichtung als aktiver Knotenpunkt in regionalen Innovationsökosystemen kann die Präsenzuniversität dem drohenden Funktionsverlust entgehen. Es gilt, die akademische Exzellenz nicht mehr nur in Publikationen, sondern in ihrer konkreten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wirkung zu messen.