Fussballstadion

Who owns football?

Prof. Dr. Mike Geppert und Kenny Böswetter erforschen in einem Teilprojekt im Rahmen des neuen SFB-Transregio 294 den Wandel von Eigentumsstrukturen in Fußballclubs und dessen Wirkungen
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Foto: Mike Geppert

Meldung vom: 23. März 2021, 15:07 Uhr | Verfasser/in: Kristina von Rhein

Prof. Dr. Mike Geppert Prof. Dr. Mike Geppert Foto: Privat

„Who owns football?“ – Die Rolle mächtiger Anspruchsgruppen und nationaler Institutionen im Wandel von Eigentumsstrukturen des europäischen Fußballs

Prof. Dr. Mike Geppert und Kenny Böswetter erforschen in einem Teilprojekt im Rahmen des neuen SFB-Transregio 294 den Wandel von Eigentumsstrukturen in Fußballclubs und dessen Wirkungen

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert seit Beginn dieses Jahres den Sonderforschungsbereich-Transregio 294 „Strukturwandel des Eigentums“. Dieses Großprojekt wird an den beiden Thüringer Universitäten, Jena und Erfurt, in den kommenden vier Jahren mit bis zu zehn Millionen Euro unterstützt. Das Konsortium vereint Forschende der Sozial-, Rechts-, Wirtschafts- und Geschichtswissenschaften. Unsere Fakultät ist mit Teilprojekt B03 „Öffentliche Interessen vs. private Verfügungsrechte: Eigentumsstrukturen von Organisationen des öffentlichen Interesses“ vertreten, welches von Prof. Dr. Mike Geppert geleitet wird. Ab Mitte März wird Kenny Böswetter als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt mitarbeiten.

Worum soll es in dem Projekt gehen?

Seit etlichen Jahren gibt es in der Eigentumsforschung eine intensive Debatte über die Frage „who owns football?“. Offen bleibt eine systematische international-vergleichende Untersuchung des Wandels von Eigentumsstrukturen und Verfügungsrechten im europäischen Fußball, basierend auf sozioökonomischen Annahmen. Ausgehend von einem solchen Ansatz rücken gesellschaftspolitisch relevante Fragestellung in den Vordergrund, d.h. ob und warum der Fußball ein „öffentliches Gut“ ist? Wie und unter welchen Bedingungen kann ein sportlich fairer, global vernetzter und lokal verwurzelter Wettbewerb im Fußball gewährleistet werden?

Welche Interessen haben wichtige Anspruchsgruppen in Wirtschaft und Gesellschaft daran und wie bringen sie diese, mit welcher Wirkung, zum Ausdruck? Welche Stakeholder (Fans, Vereinsmitglieder, Politiker, Vertreter von Verbänden und Medien, etc.) werden wie in Entscheidungsfindungen einbezogen, wenn es um sportliche Fairness aber auch soziale Verantwortung geht?

Der Kampf um das „öffentliche Gut“ Fußball und die spezifische Rolle des Eigentums muss somit als konflikthafter politischer Aushandlungsprozess verstanden werden, wie gerade die gegenwärtige Diskussion zur „Sonderbehandlung“ von europäischen Spitzenclubs und -ligen in Pandemiezeiten zeigt. Es stellt sich die Frage: Warum darf der Profifußball weiterspielen und somit weiterhin Geld verdienen, während andere im öffentlichen Interesse stehende Organisationen, wie Kulturschaffende, oder selbst nichtprofessionelle Sportvereine über Monate geschlossen bleiben?

Was sind die theoretisch-konzeptionellen Grundlagen?

Auf Basis neuerer institutionalistischer Ansätze soll zum einen eine akteurszentrierte Perspektive in die fußballbezogene Eigentumsdebatte eingebracht werden, um zu untersuchen, wie konkret gesellschaftsspezifische Institutionensysteme bestimmend auf nationale Eigentumsordnungen und -strukturen wirken. Zum anderen sollen Veränderungen von Interessen wichtiger Anspruchsgruppen und deren Teilhabe an Eigentumsstrukturen in den europäischen Fußballligen analysiert werden.

Wie wollen wir empirisch vorgehen?

Ausgehend von der Beobachtung zunehmender Kommerzialisierung, Internationalisierung und Professionalisierung, soll in einem ersten quantitativen Teil untersucht werden, wie sich der europäische Fußball dem Privateigentum global geöffnet hat und wie damit gewisse transnationale Standards einhergehen, die in verschiedenen nationalen Kontexten unterschiedlich interpretiert werden.

In einem zweiten qualitativen Teil ist ein Fallstudien-basierter Vergleich von ausgewählten Clubs in der englischen Premier League und in der deutschen Bundesliga geplant, um näher verstehen zu können, welche konkreten Akteure ihre Interessen machtvoll ausüben können.   

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