Fabian Könings (l.) und Patrick Bareinz ermitteln den Einfluss von Framing auf die Meinungsbildung.

Mediale Aufbereitung von Wirtschaftsprognosen kann Einstellung zur Corona-Politik beeinflussen

Wirtschaftswissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena zeigen im Experiment, wie sich Framing auf Meinungen auswirkt
Fabian Könings (l.) und Patrick Bareinz ermitteln den Einfluss von Framing auf die Meinungsbildung.
Foto: Anne Günther (Universität Jena)

Meldung vom: 15. April 2021, 11:54 Uhr | Verfasser/in: Stephan Laudien | Zur Original-Meldung

Wird die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts in den Medien positiv eingeschätzt, steigt daraufhin die Zustimmung zur Corona-Politik in Bund und Ländern. Das haben Patrick Bareinz und Fabian Könings, Doktoranden am Lehrstuhl für Finanzwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena experimentell ermittelt. Die beiden Wissenschaftler befragten dazu 3.000 repräsentativ ausgewählte Versuchspersonen. Die Umfrage lief anonym und internetbasiert als sogenanntes „survey experiment“.  Die Befragten wurden  in vier Gruppen aufgeteilt. Drei der vier Gruppen erhielten die gleichen Informationen zum prognostizierten Wachstum des Bruttoinlandsprodukts, jedoch unterschiedlich aufbereitet. Der vierten Gruppe wurde die Information vorenthalten. Die Ergebnisse des Experiments lesen sich verblüffend.

Das Framing legt unterschiedliche Interpretationen nahe

„Wir wollten experimentell ermitteln, welchen Einfluss das sogenannte Framing bei der Information über eine ökonomische Kenngröße auf die öffentliche Meinung hat“, sagt Patrick Bareinz. Unter „Framing“ werde dabei das unterschiedliche Aufbereiten einer Nachricht verstanden, die dadurch Bedeutungsnuancen erhält. „Die prognostizierte Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts diente uns als ökonomische Kenngröße“, sagt Fabian Könings. Laut Jahresgutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung vom November letzten Jahres wurde von einer Steigerung des Bruttoinlandsproduktes um 3,7 Prozent im Jahr 2021 ausgegangen. Dieser nüchterne Fakt wurde einer der Gruppen mitgeteilt. Zwei andere Gruppen erhielten Auszüge aus online veröffentlichten Zeitungsartikeln mit der gleichen Botschaft, jedoch von den Zeitungen unterschiedlich „geframt“. „Beim negativen Framing hieß die Nachricht, dass ein langer Schatten der Corona-Krise befürchtet wird und das erwartete Wachstum nur bei 3,7 Prozent liege“, sagt Patrick Bareinz. Hingegen wurde der Gruppe mit positivem Framing mitgeteilt, es werde mit einem deutlichen Aufschwung gerechnet, das Bruttoinlandsprodukt lege um 3,7 Prozent zu. Im Anschluss wurden alle Probanden gebeten, die Corona-Politik von Bund und Ländern zu bewerten. Kernpunkte waren dabei die Arbeits-, Gesundheits- und Bildungspolitik während der Pandemie. Um zusätzlich ermitteln zu können, wie sich die Einschätzung zur Wachstumsrate durch die Botschaften verändert, hatten die Befragten zuvor ihre eigene Schätzung zu der Wachstumszahl angegeben.

Positive Nachrichten erhöhen die Zahl guter Noten für die Politik

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass ökonomische Kenngrößen wie das prognostizierte Wirtschaftswachstum medial in einen Kontext gesetzt werden müssen, damit sie von der Gesamtbevölkerung in eine bestimmte Richtung interpretiert werden können. „Wir haben zudem festgestellt, dass in Zeiten gehäufter negativer Nachrichten positiv dargestellte Neuigkeiten einen Effekt auf die Einschätzung der Politik haben können“, sagt Fabian Könings. Vor und während der Befragung im November 2020 waren immer wieder Verschärfungen und Verlängerungen des Lockdowns ein zentrales Thema in den Medien. Insbesondere jene Befragten gaben eine signifikant bessere Bewertung ab, deren negative Einschätzung des Wirtschaftswachstums durch die offiziellen Zahlen nach oben korrigiert worden waren. Hingegen zeigte das negative Framing keinen signifikanten statistischen Effekt. „Möglicherweise sehen die Befragten beim negativen Framing ihre Erwartungen bestätigt“, sagt Fabian Könings. Dabei gehe es auch um die Frage, für wie glaubwürdig die Meldung angesehen wird.

„Die Ergebnisse der Studie zeigen anhand eines wichtigen volkswirtschaftlichen Indikators, dass sich eine nicht neutrale Informationsaufbereitung durch die Medien auf die Einstellungen zu Politikmaßnahmen während der Krise auswirkt“, fasst Silke Übelmesser, Professorin für  Finanzwissenschaft, zusammen.

Mehr zu den Ergebnissen der Untersuchung und dem Studiendesign:  https://ideas.repec.org/p/jrp/jrpwrp/2021-004.html

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Fabian Königs
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