Lehrpreisträger Dr. Stefan Fedtke.

Modellieren leicht gemacht

Wirtschaftswissenschaftler Dr. Stefan Fedtke erhält einen der Lehrpreise 2020 der Universität Jena
Lehrpreisträger Dr. Stefan Fedtke.
Foto: privat

Meldung vom: 22. Juli 2020, 07:45 Uhr | Verfasser/in: Stephan Laudien | Zur Original-Meldung

Dr. Stefan Fedtke wird mit einem der beiden Lehrpreise 2020 der Fried­rich-Schiller-Universität Jena ausgezeichnet. Fedtke ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Operations Management von Prof. Dr. Nils Boysen. Er erhält die Auszeichnung für die beste Lehrveranstaltungskonzeption, das Vertiefungsmodul „Supply Chain Simula­tion“, das aus Vorlesung, Tutorium und Gruppenprojekt besteht. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro dotiert und wird beim Dies Legendi am 24. No­vem­ber überreicht.

Elemente eines Geschäftsprozesses simulieren

Stefan Fedtke sagt, in Forschung und Praxis würden sehr oft Simulationen eingesetzt. Diese Modelle bilden die wesentlichen Elemente eines Geschäftsprozesses ab. Sie zeigen beispielsweise eine Lieferkette, die aus Absender, Transporteur und Empfänger besteht. Zwischengeschaltet sind möglicherweise noch Lager, Verteil- und Packstationen sowie das Personal. „An einem solchen Modell kann ich jede Menge Daten erheben, außerdem an den Stellschrauben drehen und so die Auswirkungen auf den Gesamtprozess beobach­ten, ohne hohe Kosten zu verursachen“, sagt Stefan Fedtke. Da die Modelle sehr vielfältig eingesetzt werden, bestehe die Crux darin, sie möglichst passgenau zu implementieren.

Hier nun setzt Stefan Fedtkes preisgekrönte Innovation an: Seine Studierenden erlernen das Modellieren, ohne vertiefende Kenntnisse im Programmieren zu haben. Das gesamte Modul besteht aus mehreren Phasen, die aufeinander aufbauen. Am Anfang steht eine Vor­lesung, die zuletzt Corona-bedingt online gehalten werden musste, danach folgt eine online-Phase, in der die Studierenden möglichst allein arbeiten sollen. In dieser zweiten Phase kommen online-Tutorials zum Einsatz, Videofilme, die Stefan Fedtke selbst gedreht hat. „Ergänzend dazu erhalten die Studierenden ein Skript mit vielen Fragen. Diese Fragen können nur mit Hilfe der Tutorials beantwortet werden“, sagt Fedtke.

In einem nächsten Schritt folgt eine Übung, in der selber modelliert werden soll. Eingesetzt wird dafür eine Software, die sowohl einfache als auch komplexe Simulationen erlaubt. Die Prozesse können sogar in 2D und 3D dargestellt werden. Am Anfang wird den Studie­renden noch vieles erklärt, später gibt es nur noch eine Skizze und eine grobe Anleitung. Am Ende jedes Abschnitts steht ein Online-Abschlusstest, der auf die Prüfung vorbereiten und den Lernerfolg aufzeigen soll. Insgesamt kämen 180 Stunden zusammen, sagt Stefan Fedtke. Bei einer „normalen“ Vorlesung mit Übung seien es ca. 50 bis 60 Stunden, der Rest der Zeit solle für das Selbststudium verwendet werden. Im neuentwickelten Modul fließt diese Zeit mit ein.

Auf vorbildliche Weise der Heterogenität Rechnung getragen

Das Expertengremium der Akademie für Lehrentwicklung honorierte besonders, dass das neu konzipierte Modul die Studierenden trotz unterschiedlicher Voraussetzungen mit­nimmt. Auf vorbildliche Weise werde der heterogenen Zusammensetzung der Studieren­den Rechnung getragen. Stefan Fedtke sagt dazu, vor ihm säßen Studierende, die bis zu vier Studienjahre auseinander sind. Die Kernfrage: Kann jemand programmieren oder kann er es nicht? „Studierende ohne Vorkenntnisse im Programmieren haben meist einen höhe­ren Betreuungsbedarf, aber wir helfen ihnen, sich den nötigen Wissensstand zu erarbei­ten“, so der Jenaer Ökonom. Eine wertvolle Hilfe dabei sei die etablierte Fehlerkultur in der Lehrveranstaltung. Wenn es mal nicht weitergeht, helfe meist schon das Fehler-Behand­lungs-Forum auf der Lehrplattform „Moodle“. Oder Fehlermeldungen werden auf spiele­rische Weise gemeinsam besprochen, z. B. in einem Fehler-Memory.

Am Ende der ersten Hauptphase steht eine Klausur. Wer diese meistert, kann in ein rich­tiges Unternehmen gehen, sich dort eine Prozesskette anschauen und sie via Software abbilden. Dazu werden Forschungsfragen formuliert und bearbeitet. Das können winzige Veränderungen in der Logistikkette sein, die jedoch Zeit und damit Geld sparen. In dieser letzten Phase des Moduls „Supply Chain Simulation“ ist der Praxisbezug natürlich am höchsten. Nicht alle Studierenden schaffen es bis dahin, doch da es ein freiwilliges Modul ist, entstehen für niemanden Nachteile.     

Die Idee, das Modul „Supply Chain Simulation“ zu überarbeiten, treibt Dr. Stefan Fedtke seit 2018 um. Die Unterstützung am Lehrstuhl war ihm gewiss, weitere Partner fand der 34-jährige Wissenschaftler in der Servicestelle „LehreLernen“ der Universität Jena. Seit diesem Jahr wird er von seinem Kollegen Alexander Wyrowski unterstützt, der die Stu­dierenden online betreut.

Die Lehrpreise der Universität Jena werden am 24. November im Rahmen des Dies Le­gendi übergeben. Der „Tag der Lehre“ steht unter dem Titel „Anleitung zur Selbststän­digkeit – Lenkung und Offenheit in der Lehre ausbalancieren“. Er soll wohl digital statt­finden. Dank gilt der Sparkassenstiftung Jena-Saale-Holzland für ihre Unterstützung.

Informationen zum zweiten Lehrpreisträger Prof. Dr. David Löwenstein sind hier zu finden.

Kontakt:

Stefan Fedtke, Dr.
Stefan Fedtke
Telefon
+49 3641 9-43104
Carl-Zeiß-Straße 3
07743 Jena
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